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View Full Version : Interpretation der Texte von Dornenreich


DunkelSchein
08-03-2004, 09:49 AM
Jeder von euch der die Musik von Dornenreich liebt wird sich sicherlich auch mal mit den Texten auseinnandergesetzt haben. Doch weiß denn wirklich jeder von euch diese Texte zu deuten. Es ist wie mir aufgefallen ist nicht die Symbolik die bei ihnen schwer zu interpretieren ist, da der Inhalt sehr direkt und deutlich ausgesprochen wird, sondern ehr das Künstlerische, Dichtererische das Grammtisch und Deutschmässig ganzschön verkwehr ist. Jedoch sind es Auch die Sätzlichen zusammenhängen die oft sehr sprunghaft sind und doch in einem Bilderbuch passen.

In dem Booklet "Her von welken Nächten" wurde uns ja eine schöne Interpretertion zu jedem Titel gegeben die zusammenhängend eine man kann vieleicht sagen Geschichte ergeben. Doch hätte denn jeder von euch dieses Gesamtwerk genauso interpretiert? Oft ist es ja bei Kunst so das der Leser seine eigene Welt in den Texten schafft.

Wie ist es zum Beispiel mit "Woran erkennt mich deine Sehnsucht morgen?". Was ist da nur in wirklichkeit passiert? Was für eine Situaltion? Wie habt ihr das verstanden bei hineinverstzen dieses Liedes?

Rabenkind
08-04-2004, 04:01 PM
In den Interviews auf der offiziellen Webpage kannst Du einige recht interessante Gedanken und Bemerkungen zu einigen Liedtexten, insbesonders auch von der "Bitter ist's dem Tod zu dienen", finden ...

schattenfuerst
08-05-2004, 04:36 PM
Ich finde es aber dennoch viel schöner, wenn man für sich selber die Texte interpretiert und sich nicht "lenken" lässt. Es ist zwar schön und sicher auch richtig, die Interpretation vom Künstler selbst zu erfahren, aber es ist für mich eine Herausforderung einen Text für mich selber zu deuten - auch mit der Gefahr in eine ganz falsche Richtung mich zu begeben. Aber dafür ist es dann schön, wenn man mit anderen Leuten über Texte sinnieren kann.

"Woran erkennt mich deine Sehnsucht morgen?" deute ich als ein sehr romantisches Lied! Vielleicht thematisiert es eine althergebrachte Dramaturgie, aber es sind die Worte und die Intensität die das Lied so einzigartig schön machen.

Langer Rede kurzer Sinn: Zuerst für sich selbst den Text deuten/interpretieren und dann andere Interpretationen und eventuell jene des Künstlers selbst einholen. Daraus können sehr interessante Diskussionen entstehen.

Skog
08-06-2004, 07:27 AM
"Woran erkennt mich deine Sehnsucht morgen?" deute ich als ein sehr romantisches Lied! Vielleicht thematisiert es eine althergebrachte Dramaturgie, aber es sind die Worte und die Intensität die das Lied so einzigartig schön machen.


Es kommt darauf an, wie Du den Begriff 'romantisch' verwendest. Wenn Du jetzt diese moderne Romantik meinst, trifft es eher nicht zu. Meinst du aber die alte Romantik, dann kann man doch eigentlich nur sagen, dass jedes Lied von Dornenreich sehr romantisch ausgeschmueckt ist.

Devourment
08-06-2004, 03:51 PM
Dadurch zeichnen sich für mich gelungene Gedichte aus, die eben auch auffordern, sich darüber Gedanken zu machen, sich darin zu verlieren oder was auch immer.
Ich mag es auch irgendwie nicht, wenn ein anderer Mensch mitteilt, was er "sieht" in seinen Gedanken, wenn er besondere Musik hört, weil ich mein eigenes Empfinden nicht gern durch andere Auffassungen beeinflussen lasse..

Rabenkind
08-06-2004, 04:19 PM
Leider kannte ich die Interviews bereits vor der Musik - somit wäre ich in eigenen Interpretationen unvermeidbar immer etwas "voreingenommen" ... allerdings denke ich auch, dass man solche Musik letztlich nicht in allzu vielen Worten "auseinandernehmen" sollte - zumal es zumindest mir selbst auch sehr schwer erscheint, solchen "Zauber" in Silben zu fangen ...

DunkelSchein
08-06-2004, 09:36 PM
Jeder interpretiert das Lied anders, was auch gut so ist, denn es zeichnet die Individualitäten von uns allen aus. Jedoch ist es auch schön festzustellen das jemand das Lied genauso oder ähnlich aufgefasst hat, weil dann ein Gemeinschaftsgefühl entsteht. Eine Verbindung steht dann zwischen den Menschen, weil sie beide das selbe empfinden oder denken. So etwas ist doch schön!

Beeinflusst wird man nicht nur von anderen Menschen sondern auch von allem amderen was man wahr nimmt. Von Außen wie auch Innen. In der Atmosphäre die man gerade steckt oder die momentane Stimmung mit der du dieses Lied hörst hat einfluss auf die eigene Interpretertion.

Im Grunde erschafft man keine eigene Welt, sondern lässt sie erschaffen.

Schackessper
08-11-2004, 10:47 AM
Hm.... ..naja, da bin ich eher anderer Meinung! Ich denke, man erschafft schon seine eigene Welt und läßt sie weniger erschaffen, denn alle Umstände in denen man sich befindet (die, wie Du sagtest, die eigene Empfindung beeinflussen), hat man sich, meiner Überzeugung nach, großteils ja auch selbst erschaffen!

Leander
08-11-2004, 03:24 PM
Meine Interpretation von "Woran erkennt mich deine Sehnsucht morgen" bzw. wie ich es empfinde:

Liebespaar. Er beschließt, zu gehen. Jedenfalls wird er sterben, doch sie soll nicht traurig sein, da er weiterlebt...er stirbt, aber sie kann den Tod bezwingen, indem sie an ihn denkt und ihn erkennt...in Wäldern, im Wasser....überall dort ist seine Seele und so kann sie ihm noch nahe sein.

Er stirbt, aber lebt im Teich weiter, in der Erinnerung und in der Natur...Seelenwanderung...Reinkarnation, was auch immer...sie kann ihm aber auf ewig nahe sein, wenn sie ihn in anderer Form (Seele in der Natur) erkennt, wenn sie ihn erkennen und entdecken kann, wenn sie eben die Zeichen deuten kann. Er ist zwar tot, aber ihr auch so nah....wenn sie ihn erkennt.

Tja...kann natürlich total falsch sein, aber ich assoziere zu diesem Text eben dieses. Und Dornenreich haben mich durch den Text auch ziemlich inspiriert.

=> Album "Nebelleben", Song "Kunst Unsterblichkeit":

[...]

Die Träne fällt, die Blume sprießt,
Auch wenn die Zeit den Körper frisst,
Zerfrisst, er ist schon am Verwesen,
Kann man hier noch meine Seele lesen.

Meine Worte wie meine Kinder in deinen Ohren,
Den Körper durch den Tod verloren,
Ja, doch nicht die Seele,
Sie lebt weiter, in Gedichten, Melodien,
Nie wird sie vor dem Tode knien.

...Kunst der Unsterblichkeit, Unsterblichkeit der Kunst...

Ein Wort, siehst du mich?
Ein Ton, hörst du mich?
Entdeckst du mich?
Erkennst du mich?

Und weiters wird auf dem kommenden Album "Seelenpuls" ein Song namens "Abschied" enthalten sein, der wie folgt endet:

Abschied...nun hilft kein Flehen,
Werden wir uns wiedersehen?
Erkenne mich, im Sommerregen,
Erblicke mich, auf Waldeswegen,
Entdecke mich im Glitzerschnee,
Wart' auf mich, beim Vollmondsee.

Wart' auf mich...

~~~~~~

Ich habe dies nicht bewusst kopiert, sondern mich interessiert bzw. bewegt diese Vorstellung allgemein sehr. Auch wenn man längst tot ist, lebt die Seele weiter, sei es Kunst (Gedichten, Musik...) oder in der Natur, in speziellen Momenten, Augenblicken.

Skog
10-19-2004, 10:25 AM
Tja...kann natürlich total falsch sein, aber ich assoziere zu diesem Text eben dieses. Und Dornenreich haben mich durch den Text auch ziemlich inspiriert.

=> Album "Nebelleben", Song "Kunst Unsterblichkeit":

[...]

Die Träne fällt, die Blume sprießt,
Auch wenn die Zeit den Körper frisst,
Zerfrisst, er ist schon am Verwesen,
Kann man hier noch meine Seele lesen.

Meine Worte wie meine Kinder in deinen Ohren,
Den Körper durch den Tod verloren,
Ja, doch nicht die Seele,
Sie lebt weiter, in Gedichten, Melodien,
Nie wird sie vor dem Tode knien.

...Kunst der Unsterblichkeit, Unsterblichkeit der Kunst...

Ein Wort, siehst du mich?
Ein Ton, hörst du mich?
Entdeckst du mich?
Erkennst du mich?

Und weiters wird auf dem kommenden Album "Seelenpuls" ein Song namens "Abschied" enthalten sein, der wie folgt endet:

Abschied...nun hilft kein Flehen,
Werden wir uns wiedersehen?
Erkenne mich, im Sommerregen,
Erblicke mich, auf Waldeswegen,
Entdecke mich im Glitzerschnee,
Wart' auf mich, beim Vollmondsee.

Wart' auf mich...

~~~~~~

Ich habe dies nicht bewusst kopiert, sondern mich interessiert bzw. bewegt diese Vorstellung allgemein sehr. Auch wenn man längst tot ist, lebt die Seele weiter, sei es Kunst (Gedichten, Musik...) oder in der Natur, in speziellen Momenten, Augenblicken.

Du brauchst eine eventuelle Kopie gar nicht zu rechtfertigen. Wuerde ich dieses Lied hoeren, wuerde ich anfangs vielleicht gar nicht an Dornenreich denken. Fuer mich sieht es eher danach aus, als haette Dornenreich wiederrum bestimmte Gefuehle in Dir geweckt, die Du selbst in Worte gesteckt hast.
Und ich denke bei "Woran erkennt mich Deine Sehnsucht morgen?" eher an anderes Themengebiet, was Deinem nur bedingt gleicht.

Awanhyr
12-23-2004, 10:02 AM
Halt' mein Strahlen in dem Tag,Man lese: Behalte mein Strahlen(des Gesicht) in Deinem Herzen.an dem zu denken ich vergaß,
nur bestaunt den Augenfang,
an dem ich fortan Schönheit maß.Der Anfang einer Liebesbeziehung. Die geliebte Person ist aber nur ein schöner Augenfang, besticht grösstenteils auf optischer Ebene - das Denken kommt kurz...

Erzähl' mein Glück von jener Zeit,
in der mein Wesen Deinem glich,
so wirst Du Dich des Tag's entsinnen,
da Dein Schatten meinem wich.Die Wesen gleichen sich, eine harmonische Liebeskomposition ist geschaffen, das Glück erblüht wild - der Tag, an dem die Schatten nunmehr ungleich (dh. auch die beschienen Objekte sind ungleich) zu sein beginnen, ist der Vorbote der Trennung.

Halt' mein Strahlen in dem Tag,
an dem zu lenken ich vergaß,
nur vertraut Dir Herzensfang,
an Dir ich nunmehr Schönheit maß.Denken und lenken sind nicht nur vom Klangbild her eng verwandt, die besinnungslose Liebe nimmt Überhand über den armen Protagonisten, die subjektive Welt gerät aus den Fugen - zuerst angenehm, dann äusserst katastrophenreich.

Bind' mein Leiden in dem Tag,
Gedanken ich nun Tränen goß,
bewußt so vieles nie vollbracht,
ich mit meinem Leben schloß.Melancholischer Rückblick auf eine produktive Schaffenszeit, von der Liebe nur beflügelt - Gedanken und Tränen sprudeln gleichsam aus dem gemarteten Menschen, das Leben nunmehr verhasst. Der Tod - möglicherweise Suizid.

Doch spür' mein Streben in dem Wind,
der Dir Mut zum Herzen singt.
Fühl' mein Leben an Dir selbst,
so bist Du, der den Tod bezwingt.Ähnlich Leander; die Gedanken und die Liebe kann nichteinmal der Tod bezwingen. Allerdings ist hier ein äusserst, äusserst niederschmetterndes Detail zu erkennen (für mich): Der Protagonist singt hier und in den nächsten zwei Strophen seine Geliebte an und spricht darüber, wie sie ihn noch immer fühlen kann - das perfide ist, dass sie das möglicherweise gar nicht WILL (irgendauseinem Grund ist ja die Liebe zerschellt)!!!

Im Teich wirst Du erkennen mich,
so sehr auch Zeit vergessen macht,
ein stilles Wasser bleibe ich,
erkenn' mich,
Ich, der Teich - Dir lacht.

Glaub' mich nun bei Dir so nah,
wie nie zuvor ich je gewesen,
in Wasser, Wind und weiten Wäldern,
bin wie ein offen Buch zu lesen.

Wenn Du die Zeichen deuten kannst ...Wie oben angedeutet - der Tote sucht den Kontakt zu seiner Frau immer noch, von der wird aber kein Wort berichtet (schön!). Die "Zeichen zu deuten" deutet für mich auf gewisse im Volksmunde "übernatürlich" oder "sprituell" geheissene Fähigkeiten hin, nicht direkt den Kontakt mit Geistern, aber beispielweise eben tiefes Naturempfinden. Alles in allem ein total negatives Lied.

Das schönste Liebeslied, das ich kenne, ist übrigens "Leben Mit Der Angst" von den Grabnebelfürsten.