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View Full Version : Der Graf und die Gräfin


DunkelSchein
05-02-2004, 08:54 AM
Stumm beugte sich der Graf über seine Gemahlin, die Sterbens krank in ihrem
Sarg lag, und Ihren Tod entgegen sah. So müde und leer schauten ihre Augen
seine entgegen. Doch so leer Ihre Augen ihm auch vor kamen, was sie sah war
alles andere als leer. Sie fühlte eine vollkommene Reinheit des Lebens, ein
absoluter Einklang mit ihrem Inneren und dem Äußeren. Es gab kein schlecht
und gut, alles was sie fühlte war eins und alles, oder alles war eins. Sie
schwebte in einen Raum ohne Gedanken. Es gab kein vor und kein zurück mehr.
Sie verharrte in den jetzigen Moment. Die Zeit blieb einfach stehen.
Bewegungslos sah der Graf immer noch in ihre angeneigten, leeren Augen und
warte auf ein Wort von ihr. Er selber wußte nichts zu sagen, und wollte es
auch nicht, denn jeder kleinste Ton oder Bewegung jetzt noch von ihr, wäre
so kostbar für ihn wie sein ganzes vergangenes Leben. Nichts war Ihm in
diesen Moment bedeutender als nur ein Wort von ihr. Wenn er jetzt irgend
etwas sagen würde, könnte er vielleicht alles kaputt machen. Er würde sich
diesen Fehler niemals verzeihen können. Doch sie sprach nicht, und er auch
nicht. Sie starb auch nicht. Sie konnte nicht sterben. Sie verharrte einfach
in ihrem Leben (wenn es je ein Leben gewesen war). Und so verharrten sie
beide und gaben ein Bild für die Ewigkeit.

schattenfuerst
05-03-2004, 06:39 PM
hmmm - gefällt mir gut